Bergrettungsdienst Rauris

Berichte 2021

Die Bergrettung Rauris berichtet zum vergangenen Jahr 2020

Nicht nur Corona war für die Einsatzorganisationen im Allgemeinen eine große Herausforderung. Musste bei Einsätzen noch mehr als sonst auf Hygiene und Abstände inkl. dem Tragen von Schutzmasken acht gegeben werden, so hielt auch die Gesamtanzahl und vor allem die Häufung der Einsätze im Sommer die Bergretter auf Trab.

Wieder zahlreiche und langwierige Einsätze

34 mal rückte die Bergrettung Rauris im Jahr 2020 aus, um insgesamt 48 Personen aus Bergnot zu retten. Leider kam für 2 Personen jede Hilfe zu spät.
Allein in den Klettersteiganlagen der Kitzlochklamm mussten insgesamt 13 Personen geborgen werden.
Hinzu kamen Bergeeinsätze auf den 3000ern wie Sonnblick und Goldzechkopf, Rettungen bei Forst- und Freizeitunfällen aber auch zeitaufwändigste Sucheinsätze wie Ende Juli im Bereich Feldereralm mit allein über 500 Einsatzstunden.

Insgesamt wurden neben den Einsatzstunden auch letztes Jahr wieder mehr als 4.700 Stunden für die Allgemeinheit aufgewendet.
Konnte die Aus- und Fortbildung während der Lockdowns zumindest in einigen Teilen „online“ abgehalten werden, so mussten viele Veranstaltung wie das legendäre Maibaumfest, die Kinder- und Jugendveranstaltungen und Vieles mehr abgesagt werden.

Erfreuliche Entwicklungen

Sehr erfreulich war die Ehrung langgedienter Mitglieder.
Sichler Ekkehard und Strasser Peppi haben vergangenen Sommer 60 Jahre Bergrettungsdienst vollendet und wurden von Bürgermeister Peter Loitfellner und VizeBGM Martin Schnönegger geehrt, ebenso wie Rasser Lug für 40 Jahre und Eder Hannes für 25 Jahre.

Auch erfreut sich die Ortsstelle Rauris guten Zulaufs an jungen motivierten Bergsteigern. So konnten alleine in den letzten beiden Jahren fünf neue Bergretter aufgenommen werden und Rainer Johannes konnte seine Grundausbildung erfolgreich abschließen.

Sehr erfreulich ist auch die Unterstützung der Bevölkerung und der Gewerbetreibenden, sowie der Gemeinden Rauris und Taxenbach mit Spenden, um den Bergrettungsdienst in dieser Form aufrecht erhalten zu können. Dafür möchten sich die Bergretter sehr herzlich bei allen Förderern und Gönnern bedanken!

Die Bergrettung appelliert

Nicht so erfreulich ist jedoch die Entwicklung des Einsatzgeschehens insofern, dass immer mehr Menschen mit fragwürdiger Tourenvorbereitung und wenig Kenntnissen in den winterlichen und sommerlichen Bergen unterwegs sind.
Zahlreiche Bergeaktionen – teils leider auch mit tödlichem Ausgang – wären mit etwas mehr Wissen und Sorgfalt in der Vorbereitung leicht zu vermeiden gewesen.
Das zeitige Aufbrechen am Morgen ermöglicht nicht nur die Abfahrt bei besseren Bedingungen, sondern schützt gerade im Frühjahr vor Nasschneelawinen.
Konkret sollte man vor der Mittagsstunde wieder im Tal zurück sein. Zudem hat man wesentlich mehr zeitlichen Spielraum, sollte ein Unfall oder lediglich ein Missgeschick wie zB der Verlust eines Skis passieren, um noch selbständig ins Tal zu gelangen.
Auch das Mitführen und das regelmäßige Üben mit der obligaten Sicherheitsausrüstung wie LVS-Gerät, Schaufel, Sonde, Erste Hilfe und Biwaksack auf Skitour sollte selbstverständlich sein.
Nicht nur damit man selbst geschützt ist, sondern vielmehr auch, damit man im Falle eines Falles auch anderen am Berg Erste Hilfe zu leisten im Stande ist.

Das blinde „Nachlaufen“ einer Skitourenspur kann im winterlichen Gelände fatale Folgen haben. Nur weil eine Spur vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass keine Lawine ausgelöst werden kann. Nur weil eine Skitour beim letzten Mal bei einer Lawinenwarnstufe 3 gemacht werden konnte, heißt das noch lange nicht, dass es diesmal auch wieder gut ausgeht.

Diese Thematik lässt sich aber auch gut in das Verhalten im Sommer ummünzen. Die genaue Kenntnis über Route, Länge und auch über die Schwierigkeit der gewählten Tour ist essentiell.
Auch und gerade was auch das Begehen eines Klettersteiges anbelangt.
Zum Glück handelt es sich bei den Opfern hier zum großen Teil lediglich um „Erschöpfte“, die ihre Kondition heillos überschätzt haben und nicht um Gestürzte. Ein Sturz in einem Klettersteig zieht meist massive Verletzungen nach sich!

Wir können hier nur empfehlen, defensiv zu bleiben, die eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen und sich entsprechend ausbilden zu lassen.
Nur so wird man lange und gesund in den Bergen unterwegs sein.
Mit dem Handy können zwar rasch die Hilfskräfte verständigt werden und eine Bergekostenversicherung kann den finanziellen Schaden decken, schwere Verletzungen und eventuell langfristige gesundheitliche Schäden bleiben aber.

In diesem Sinne wünschen wir viele schöne und unfallfreie Tage auf den Bergen.

Bericht/Foto: Bergrettung Rauris – OL W. Rohrmoser